Labeotropheus trewavasae „Chinyamwezi Island”

Labeotropheus  trewavasae „Chinyamwezi Island”Labeotropheus trewavasae „Chinyamwezi Island”, Mutter und Tochter. Im Unterschied zur Mutter erhielt die Tochter vom ersten Tag an reichlich Cyclops.

Mittlerweile sind fünf Labeotropheus-Arten beschrieben. Hier geht es um den echten Gestreckten Schabemundbuntbarsch Labeotropheus trewavasae. Die zweite schlanke Labeotropheus-Art ist der Labeotropheus simoneae, der meist noch als „Labeotropheus trewavasae Katale”, oft mit dem Zusatz „ochre” gehandelt wird. Der Labeotropheus trewavasae von Thumbi West war einer der ersten Malawis überhaupt, der für die Aquaristik importiert wurde. Wenn man Labeotropheus fuelleborni und Labeotropheus trewavasae im direkten Vergleich sieht, fällt sofort der spitzere Kopf und die andere Winkelung des Kopfprofils auf. Labeotropheus trewavasae kann bemerkenswert hochrückig sein. Kommt er gemeinsam mit Labeotropheus fuelleborni vor, ist er stets etwas schlanker als die Labeotropheus fuelleborni vom selben Fundort. Labeotropheus trewavasae lebt meist in einer Tiefe zwischen 5 und 10 Metern. Interessant ist, dass an Unterwasserriffen nur Labeotropheus trewavasae gefunden wird. Zwischen den einzelnen Farbschlägen des Labeotropheus trewavasae gibt es in der Regel keine Übergangsformen im Unterschied zum Labeotropheus fuelleborni. Dieser vermag Sandstrände zwischen den Riffen in der Brandungszone zu überwinden. WICHTIG: Die einzelnen red-top-Formen des Labeotropheus trewavasae aus dem Süden des Malawisees können praktisch nur sehr schwer unterschieden werden. Der Uralt-Thumbi-West-Trewavasae ist NICHT identisch mit thumbi-west-Mitande-Trewavasae siehe Aktuell/M. zebra! Labeotropheus trewavasae „Thumbi West” sieht im Prinzip genauso aus wie der „Chinyamwezi Island” bis auf einen wesentlichen Unterschied: Die Tiere von Chinyamwezi Island haben in allen Morphen rötliche Flanken siehe den Fotos auf dieser Webseite. Inwieweit von Vorbesitzern meines Stammes eine Selektion auf dieses Merkmal vorgenommen wurde, kann ich nicht sagen. Auch hier kann man bei dem abgebildeten Weibchen bei genauem Hinschauen rotes Pigment auf der Flanke sehen.

Labeotropheus  trewavasae „Chinyamwezi Island”Labeotropheus trewavasae „Chinyamwezi Island”, ein OB-Weibchen. Labeotropheus  trewavasae „Chinyamwezi Island”Auch bei diesem OB-Weibchen kann man sehen, dass das rote Pigment auf der Flanke geringfügig stärker als am Rücken und weiter unten am Körper ist. Unter meinen Bedingungen entwickeln die Labeotropheus trewavasae „Chinyamwezi Island” eine gedrungenere Körperform.

Aquarium-Beobachtungen:

Labeotropheus trewavasae ist deutlich ruhiger und weniger aggressiv als der Labeotropheus fuelleborni, jedoch trotzdem ein waschechter Mbuna, der es „faustdick hinter den Ohren” hat. Fütterungstechnisch ist er eine der heikelsten Arten des Malawisees. Die Ernährung muß praktisch immer an dieser Art ausgerichtet werden. Die Bauchlinie zwischen Bauchflossen und Afterflosse sollte nach der Fütterung nie deutlich nach außen gewölbt sein, bestenfalls sollte sie gerade oder schwach nach innen gewölbt sein! Umso eiweißreicher das Futter umso geringer muß dosiert werden. Labeotropheus trewavasae frisst nicht besonders gern von der Wasseroberfläche. Das kann man sich im Gesellschaftsbecken zu nutze machen. Meine ersten Labeotropheus trewavasae „Thumbi West” 1984 in tiefsten DDR-Zeiten habe ich als Anfänger in der Haltung von Malawibuntbarschen unbeabsichtigt innerhalb von zwei Wochen nach Anschaffung in das Sternbild Fische geschickt. Damals hatte ich weder ein Buch, kein Kontakt zu anderen Malawisten und kannte lediglich die Ansprüche anderer Cichliden. Ich wußte, das der Gestreckte Schabemundbuntbarsch auch Jagd auf sehr kleine Fische machen kann und so beschloß ich, das Wachstum mit Rinderherz zu verstärken. Eine einzige Fütterung damals hat ausgereicht, um alle Tiere durch die davon hervorgerufene Darminfektion innerhalb weniger Tage zu verlieren. Für mich war das ein einschneidendes Erlebnis, so dass ich erst 2017 wieder Labeotropheus trewavasae anschaffte. Bei mir werden sie mit veganem Trockenfutter, reichlich Cyclops, Daphnia und gelegentlich wenig schwarzen Mückenlarven als Frostfutter ernährt. Unter diesen Bedingungen ist die Art bei mir sehr laichfreudig. Eiweiß-Bomben, egal ob pflanzlich oder tierisch, sind bei mir tabu bei dieser Art.
Bisher sind bei mir alle drei Farbmorphen B, OB und O bei den Männchen aufgetreten. Bei den Weibchen überwiegt O bei weitem, selten mal ein OB-Weibchen. Ein B-Weibchen hatte ich noch nie.

Geschlechtsunterschiede:

Hier gibt es nicht viel zu erwähnen. Die Männchen mit kräftigeren Eiflecken, meist spitzen Rücken und Afterflossen und die Weibchen habe kurze Bauchflossen.

Labeotropheus  trewavasae „Chinyamwezi Island”Labeotropheus trewavasae „Chinyamwezi Island”, (m), B, stark angefärbt und imponierend. Bei Dominanz verstärkt sich die Streifung und die Kopfmaske, eigene NZ.
Labeotropheus  trewavasae „Chinyamwezi Island”Labeotropheus trewavasae „Chinyamwezi Island”, (w), O, maulbrütend, aus eigener NZ.
Labeotropheus  trewavasae „Chinyamwezi Island”Labeotropheus trewavasae „Chinyamwezi Island”, (m)(w), O, ein Paar aus eigene NZ.
Labeotropheus  trewavasae „Chinyamwezi Island”Labeotropheus trewavasae „Chinyamwezi Island”, (m), B, eigene NZ, das rote Pigment auf der Flanke ist stark ausgeprägt, die Blau-Färbung weniger. Ob die Ausprägung der Blau-Färbung in meinem Stamm genetisch bedingt ist oder ob das eher an den Haltungsbedingungen liegt, kann ich nicht sagen. Bisher hat es bei mir noch nie ein B-Männchen geschafft, Chef de groupe zu werden. Im Hintergrund ein junges O-Männchen.
Labeotropheus  trewavasae „Chinyamwezi Island”Labeotropheus trewavasae „Chinyamwezi Island”, (m), OB, eigene NZ, stark angefärbt, submissiv, im folgenden Bild ausgefärbt. Labeotropheus  trewavasae „Chinyamwezi Island”
Labeotropheus  trewavasae „Chinyamwezi Island”Labeotropheus trewavasae „Chinyamwezi Island”, (m), zum Schluß ein O (eigene NZ) und ein OB, welche immer eine gute Figur im Aquarium abgeben. Labeotropheus  trewavasae „Chinyamwezi Island”

(2021)

Literatur:

(1) Ad Konings "Malawicichliden in ihrem natürlichen Lebensraum", dritte Auflage, deutschsprachige Ausgabe, www.cichlidpress.com 2001
(2) Ad Konings "Atlas der MalawiseeCichliden", zweiter Band, bede-Verlag 1996

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