Aulonocara spec. „maleri”

Aulonocara spec. „maleri”Porträt meines Aulonocara spec. „maleri” beim Gähnen

Im Dezember 2011 erhielt ich schöne gelbe Aulonocara unter der Handelsbezeichnung Aulonocara maleri”, welche auf einen Stamm vom MTZ zurück gehen. Eine Rückfrage im MTZ bei Herrn Andreas Marquardt ergab, dass es sich bei meinen Tieren um Aulonocara spec. „maleri maleri” handelt. Überrascht haben mich die Durchsetzungsfähigkeit und die Ähnlichkeit der Weibchen mit denen von Aulonocara jacobfreibergi. 1996 wurden von Ad Konings aus der damaligen Perspektive die Formen von Maleri, Chidunga Rocks, Chipoka und weitere als Aulonocara spec. „stuartgranti maleri” bezeichnet. Er begründete das laut DCG-Informationen 35 ( „Zur Taxonomie der Aulonocara-baenschi Gruppe” von Dr. Andreas Spreinat, S. 130-136 ) mit der Ähnlichkeit dieser Cichliden mit Aulonocara stuartgranti, vor allem der Männchen.

Aulonocara spec. „maleri”Aulonocara spec. „maleri” (?), ein eingescanntes Bild von 1991. Der Kiemendeckel hat die Grundfarbe gelb/orange.

Meine erste Begegnung mit gelben Kaiserbuntbarschen hatte ich Anfang der 90iger Jahre, als mir ein befreundeter Züchter von Malawis und Tanganjikas in der Region Halle, DCG-Mitglied, ein Männchen überließ. Sein damaliger Kommentar in etwa war, dass es ein Aulonocara spec. „stuartgranti maleri” wäre, er sich allerdings nicht sicher war, ob es die „richtige” Maleri-Variante ist. Er war angeblich ein „Rupper”. Bei mir lebte dieses Männchen eine Zeit lang als Schautier und hatte keinerlei Probleme, mit Copadichromis borleyi und Fossorochromis rostratus im gleichen Becken zurecht zukommen. Irgendwann gab ich ihn weiter.

Aulonocara spec. red-rubinAulonocara spec. „red rubin” (w), Nachzucht

Als in einem halleschen Zoogeschäft um 1997/98 andere schöne gelbe Aulonocara unter der Bezeichnung Aulonocara spec. auftauchten, erwarb ich ein Paar davon. Sinngemäß der damalige Kommentar des befreundeten Züchters: „Das ist nicht die maleri-Variante, das ist der gute alte „red rubin”, wie ich ihn von früher kenne.” Die meiste Zeit hielt ich diese Tiere in Vergesellschaftung mit Aulonocara stuartgranti „Ngara”. Sie waren geringfügig durchsetzungsfähiger als die A. stuartgranti und ein klein wenig stärker höhlenorientiert als die A. stuartgranti. Besonders bemerkenswert fand ich die Tatsache, wenn ein A.-stuartgranti-Weibchen Laichansatz bekam, kam nur der A.-stuartgranti-Mann richtig in Fahrt und setzte sich dann gegen den gelben Aulonocara-Mann durch. Andererseits kam bei Laichansatz des Weibchens des gelben Aulonocara nur der gelbe Aulonocara-Mann in volle Fahrt. Es hatte also klare Unterschiede in der Stimulierung der Männchen durch die Weibchen mit Laichansatz gegeben. Als die „red rubin” ungefähr 7-8 Jahre alt waren und sich keine weiteren Aulonocara in dem Becken befanden, ergab sich überraschend eine Nachzuchtgelegenheit. Bei den Nachkommen gab es keinerlei Unterschiede in den Merkmalen, weder untereinander noch zu den Elterntieren.

Aulonocara spec. red-rubinAulonocara spec. „red rubin”, gezeichnet von den Kämpfen zur Durchsetzung der Revieransprüche gegen wesentlich jüngere und vitalere Mitbewohner. Am Knick der Rückenlinie am ersten Flossenstrahl der Rückenflosse kann man gut erkennen, dass dieses ca. 7-8 Jahre alte Männchen mehr Körpermasse ab- als aufbaut. Zum Zeitpunkt des Freisetzens der Nachkommen aus seinem letzten Ablaichvorgang war es bereits tot. Mit diesem Foto beginnt mein digitales Bildarchiv ab 2005.

In der letzten Zeit wurden gelbe Kaiserbuntbarsche insbesondere unter den Handelsbezeichnungen Aulonocara „maleri” und Aulonocara baenschi „Benga” populär. Eine gute Frage ist, welcher Art gehören diese an? Ich bin weder Ichthyologe noch Taxonom, habe allerdings nach vielen Recherchen und Gesprächen eine eigene Meinung zu den gelben Aulonocara, in die mehr als zwanzig Jahre Aquariumbeobachtung von Aulonocara einfließen.

Eine Übersicht

Vorbemerkung: Die populärsten Kaiserbuntbarsche des Malawisees dürften die zahlreichen Lokalformen von Aulonocara stuartgranti und Aulonocara jacobfreibergi sein. Während die Aulonocara stuartgranti eher in der Übergangszone zwischen Felsen und Sand leben, leben Aulonocara jacobfreibergi stärker fels- und höhlenorientiert. Die Unterschiede im Temperament und der Durchsetzungsfähigkeit sind erheblich. Der Aulonocara jacobfreibergi ist recht durchsetzungsfähig für einen Nonmbuna und kann gut mit den stärkeren Nonmbuna und gemäßigten Mbuna vergesellschaftet werden. Der Aulonocara stuartgranti hingegen ist meist erheblich durchsetzungsschwächer, besser mit eher durchsetzungsschwachen Nonmbuna zu vergesellschaften.
Gelbe Kaiserbuntbarsche sind im Süden und Südwesten des Malawisees weit verbreitet. Als Art ist Aulonocara baenschi MEYER & RIEHL, 1985, beschrieben worden. Der Name findet sich heute in gängigen Handelsbezeichnungen, z.B. Aulonocara baenschi „Maleri” und Aulonocara baenschi „Benga”, wieder. Nur, wohin gehören diese Cichliden wirklich?
Es gibt:

Aulonocara spec. red-rubinAulonocara spec. „red rubin”, Nachzucht, zwei Nachkommen des weiter oben gezeigten Männchens.

Diesen „Grundtypen” stehen in der heutigen Zeit eine mittlerweile unüberschaubare Anzahl von Lokalformen und Zuchtlinien gegenüber. Tiere mit höherem Rotanteil gibt es auch in der Natur. In Gefangenschaft werden unzählige gelbe und mehr oder weniger stark rot gefärbte Stämme gezüchtet.

Es gibt die Ansicht, alle gelben Aulonocara, die nicht zu Aulonocara steveni bzw. Aulonocara stuartgranti und Aulonocara jacobfreibergi gezählt werden, als Aulonocara baenschi zu bezeichnen und sich dafür auf die Erstbeschreibung von MEYER & RIEHL, 1985 zu berufen. Begründet wird das mit Untersuchungen, die ergeben haben, dass sich die einzelnen Populationen durch ihre Kopfform und den Blauanteil auf den Kiemendeckeln unterscheiden und wohl auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück gehen. Es ist sicherlich richtig, dass alle gelben Aulonocara einen gemeinsamen Vorfahren haben, nur ist das kein Kriterium, deshalb diese Tiere als Aulonocara baenschi zu bezeichnen und dann den Herkunftsort hinzu zusetzen. Wenn man zeitlich weit genug zurück geht, wird man feststellen, dass Aulonocara baenschi und ich einen gemeinsamen Vorfahren haben. Schließlich bin ich ein Chordata wie auch Aulonocara baenschi. Mich deshalb als „Aulonocara baenschi Deutschland” zu bezeichnen, ist völliger Unsinn. Es gibt einen biologischen Artbegriff. Es gibt Unterschiede in den Merkmalen und klare Grenzen zwischen Populationen (z.B. Chipoka-Typ) als auch fließende Übergänge bei den gelben Aulonocara.
Der Artbildungsprozess ist im See in vollem Gange. Der Handel mit gelben Aulonocara auch. Bei dem gegenwärtigen Bezeichnungschaos wäre eine Überarbeitung der gelben Aulonocara durch Taxonomen und Ichthyologen aus meiner Sicht dringend nötig. Die Krönung der Misere stellt nach meinem Dafürhalten die Handelsbezeichnung Aulonocara chitande typ nkhomo für den echten Aulonocara baenschi dar, für mich durchaus nachvollziehbar, wenn man die Unterschiede kennt und die Form von Benga Aulonocara baenschi sein soll.
Ein großes Problem ergibt sich auch bei der Verwechslungsgefahr der Weibchen. Ich habe kein zuverlässiges Merkmal gefunden, um die Weibchen von Aulonocara jacobfreibergi und dem Aulonocara-maleri-Typ voneinander zu unterscheiden. Deshalb würde es mich bei der großen Variabilität von Aulonocara jacobfreibergi nicht überraschen, wenn der Aulonocara-maleri-Typ zu Aulonocara jacobfreibergi gestellt würde, vielleicht auch als Unterart. Der Aulonocara-benga-Typ unterscheidet sich aus meiner Sicht so deutlich von Aulonocara baenschi, dass er mindestens als Unterart abgegrenzt werden müßte.

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Aquarium-Beobachtungen:

Aulonocara spec. „maleri” versus Petrotilapia spec. „Chitimba”Schwach in der Schärfe, stark in der Aussage ist dieses Foto: Unter der Schieferplatte befindet sich der Liebkingsunterstand meines Aulonocara spec. „maleri”, welcher sich anschickt, den Petrotilapia spec. „Chitimba” zu vertreiben. Ein Sekunde nach diesem Foto kam die Attacke.

Meine Aulonocara spec. „maleri” erweisen sich im Aquarium als wesentlich durchsetzungsfähiger als die Vertreter des Aulonocara-stuartgranti-Komplexes, die ich bisher gepflegt habe. Ein Vergesellschaftungsversuch mit Aulonocara spec. „Maisoni-Chitimba”, einem Vetreter der stuartgranti-Gruppe, scheiterte. Wenn ich das stuartgranti-Männchen nicht aus dem Becken entfernt hätte, wäre es mit Sicherheit von dem Aulonocara-spec.-„maleri”-Männchen getötet worden. Merkwürdigerweise nahmen die Aulonocara spec. „maleri” kaum Notiz von den Aulonocara aquilonium im gleichen Becken. In der Balz wurde ein Loch in einem Steinaufbau auf eine Entfernung von 30-40 cm heftig gegen jeden Eindringling verteidigt. Werden die Aulonocara spec. „maleri” angegriffen, gehen sie zur Gegenattacke über. Das gilt auch für die Weibchen! Das Männchen schlägt ggf. jeden Beckenbewohner (P. fenestratus, C. spec. „mbenji blue”, A. aquilonium, P. spec. „johnstoni solo” bis Ende 2012) in die Flucht. Die Aggressivität gegenüber Artfremden hält sich in Grenzen, solange sie nicht angegriffen werden. Innerartlich kann es recht ruppig werden, besonders bei Laichansatz eines Weibchens. Als Mindestbeckengröße scheinen mir 150 cm Länge bei ca. 300 l sinnvoll. Die Besatzdichte sollte nicht zu schwach sein. Entweder ein Männchen pro Becken mit ein bis drei Weibchen oder richtig große Gruppen bei spartanischer Beckeneinrichtung mit mindestens 15 Tieren sind meine Empfehlung.

Inzwischen halte ich die Tiere mit Petrotilapia spec. „Chitimba”, Cynotilapia aurifrons „Luwino Reef” und Iodotropheus sprengerae. Die Gründe sind schnell geschildert. Die Aulonocara aquilonium laichten nach dem Einsetzen der Aulonocara spec. „maleri” nicht mehr ab. Protomelas fenestratus „Sani” konnte ich zunächst nachziehen, doch dem Männchen gelang es irgendwann nicht mehr, ein Territorium zu besetzen und zeigte keine Dominanzfärbung mehr. Von Copadichromis spec. „mbenji blue” erhielt ich noch einige Zeit Nachzuchten als auch brütende Weibchen. Ab September 2012, ein Jahr nach dem Einsetzen der Aulonocara spec. „maleri”, entfärbten die Männchen von Copadichromis spec. „mbenji blue” völlig und es gab seit April 2012 keinen Laichansatz der Weibchen mehr. Wenn die Haltungsbedingungen stimmen, ist die Vermehrung von Malawibuntbarschen unausweichlich. Deshalb möchte ich die Vergesellschaftung von Aulonocara spec. „maleri” mit diesen drei Arten nicht mehr empfehlen.

Aulonocara spec. „maleri”Aulonocara spec. „maleri” (m), ungeblitztes Foto, vom 14.1.2012.
Aulonocara spec. „maleri”Aulonocara spec. „maleri” (w), ungeblitztes Foto

Geschlechtsunterschiede:

Bei dieser Art gibt es keinerlei Zweifel, welchem Geschlecht die Tiere angehören. Die Säume der Rückenflossen, spitze Rücken- und Afterflossen der Männchen, das Blaue am Kopf der Männchen u.s.w...

Aulonocara spec. maleriAulonocara spec. „maleri”, zwei imponierende Weibchen, man sieht deutlich an der kräftiger hervortretenden Streifung, welches der beiden das stärkere ist.
Aulonocara spec. maleriAulonocara spec. „maleri”, ein Jungfisch.
Aulonocara „maleri”Aulonocara spec. „maleri” (m), fünf Bilder, die unter verschiedenen Lichtbedingungen und mit verschiedenen Kameraeinstellungen aufgenommen wurden und alle das gleiche Tier zeigen.
Aulonocara FotomontageDiese Fotomontage zeigt ganz links das Kopfprofil meines alten Aulonocara spec. „red rubin” (m), daneben zum Vergleich das Kopfprofil meines Aulonocara spec. „maleri” (m). Rechts sind Rückenflossen meiner Weibchen zu sehen, von oben nach unten: Aulonocara spec. „red rubin”, Aulonocara spec. „maleri”, Aulonocara spec. „Cobwe” und Aulonocara steveni „Usisya”.
Aulonocara spec. „maleri”Aulonocara spec. „maleri” (m), geblitztes Foto, vom 6.5.2012.
Aulonocara spec. „maleri”Aulonocara spec. „maleri” (m), das gleiche Tier, geblitztes Foto, vom 9.10.2013. Man sieht sehr schön, dass die Stirnlinie mit zunehmenden Alter tendenziell konkav wird im Unterschied zum echten A. baenschi von Nkhomo, dessen Stirnlinie konvex bleibt.

(2012, überarbeitet 2013)

Literatur:

Ad Konings "Malawicichliden in ihrem natürlichen Lebensraum", dritte Auflage, deutschsprachige Ausgabe, www.cichlidpress.com 2001
Ad Konings "Atlas der MalawiseeCichliden", erster Band, bede-Verlag 1996

Waren/sind das nun richtige Aulonocara spec. „maleri”?
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