Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top”

Update 8/2017 und 9/2017 siehe unten

Labeotropheus fuelleborni lebt im natürlichen Lebensraum im wellenumspülten oberen Felsbiotop. Vorkommen gibt es nahezu um den gesamten See. Die im See beobachtete Maximalgröße schwankt erheblich. So gibt es Fundorte, an denen die Art gerade mal reichlich 10 cm groß wird, an anderen Fundorten hingegen bis 18 cm. Die Form von Makanjila scheint zu den kleiner bleibenden Lokalformen zu gehören und ist auch vergleichsweise grazil.
Am See kann es mitunter schwierig sein, den Labeotropheus fuelleborni vom Labeotropheus trewavasae zu unterscheiden. Im Normalfall ist der Labeotropheus fuelleborni hochrückiger und etwas gedrungener als der Labeotropheus trewavasae. Der Labeotropheus trewavasae bevorzugt etwas tiefere Biotope als der Labeotropheus fuelleborni. Inzwischen sind zwei neue Arten in der Gattung Labeotropheus beschrieben worden, L.chlorosiglos und L.simoneae, beide aus der Region Katale. Beide Arten sind in der Aquaristik bereits seit längerem vorhanden, eingeordnet bei den ursprünglichen beiden Arten. L.simoneae ist in der Wilhelma in Stuttgart zu sehen.

Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top” Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top”, (m/w), ablaichend. Territoriale Männchen heben eine flache Mulde aus, bevorzugt in Höhlen.

Aquarium-Beobachtungen:

Auch wenn der „Makanjila red top” vergleichsweise klein bleibt, ist er in Bezug auf Aggressivität und Durchsetzungsfähigkeit ein echter Labeotropheus fuelleborni. Die Tiere sind sehr lebhaft, fast immer in Bewegung und nichts für Leute, die es geruhsam im Aquarium wünschen, genausowenig für die ruhigeren Malawibuntbarsch-Arten. Eine Vergesellschaftung mit Aulonocara könnte ich mir vielleicht noch mit dem A. jacobfreibergi vorstellen, aber wirklich empfehlen möchte ich das nicht. Die richtigen Arten für eine Vergesellschaftung sind durchsetzungsfähige Mbuna. Im Unterschied zum Labeotropheus trewavasae ist diese Art in den Nahrungsansprüchen bei weitem nicht so heikel. Trotzdem sollte man sich keinesfalls zu Überfütterung sowohl in Bezug auf den Eiweißgehalt als auch die Menge hinreißen lassen. Auch bei dieser Art ist die Ausfärbung der Rottöne stark fütterungsabhängig. Bei mir erhalten die Tiere bevorzugt Cyclops, dazu in geringeren Mengen ein spirulinahaltiges Granulat, so dass die Ernährung reich an Carotinoiden ist. Das Granulat zerkleinere ich mit der billigsten Supermarktkaffeemühle auf eine geringe Partikelgröße, um es dem dominanten Männchen schwer zu machen, sich zu überfressen. Meine Tiere sind alle B-Morphe. Auch bei den Jungfischen traten bisher weder OB- noch O-Tiere auf. Ob bei dieser Lokalform auch in der Natur alle Tiere B-Morphe sind, habe ich bisher nicht herausbekommen.

Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top” Solange die Jungfische noch sehr klein sind, ist das Maul noch endständig. Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top” In dieser Größe beginnt sich die verdickte Oberlippe zu entwickeln. Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top” Die Rotfärbung deutet sich bei diesem jungen Männchen bereits an. Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top” Junges Männchen kurz nach dem Einsetzen im Gesellschaftsbecken. Man sieht ihm an, dass es vom alteingesessenen Vater angeprüft wurde.

Geschlechtsunterschiede:

Bei dieser Art kann es sehr schwierig sein, die Geschlechter zu bestimmen. Oft entwickeln niederrangige Männchen kaum sekundäre Geschlechtsmerkmale. Auch die Weibchen entwickeln eine gewisse Rotfärbung und geringfügig Blauglanz. Dann hilft die Genitalpapillenmethode. Wichtig: Nie geschlechtsreife Männchen, auch große unausgefärbte, aus der Gruppe heraus nehmen! Die bekommt man so gut wie nie wieder in die Gruppe integriert. Bei Nachkäufen empfehle ich, nur Jungfische in eine etablierte Gruppe zu setzen

Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top” Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top”, (w), stimmungsabhängig werden Streifen gezeigt.
Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top” Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top”, (w), kurz vor dem Ablaichen, die Genitalpapille ist bereits sichtbar.
Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top” Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top”, (m), territorial, schön sieht man das für diese Lokalform typische rote Pigment auf der Körperflanke??? Update 8/2017: Lange glaubte ich, dass die rötliche Färbung auf der Flanke ein Unterscheidungsmerkmal des „Makanjila red top” zu anderen Lokalformen mit roter Rückenflosse ist. Das ist falsch! Mein „alter Mann” mit viel Rot auf den Flanken hat weder eine besondere Größe noch das arttypische Alter erreicht. Er verstarb bereits im Frühsommer 2017 und ging einfach aus wie eine heruntergebrannte Kerze. Vor einiger Zeit hatte ich ihn auf eine Tochter rückgekreuzt und hatte tatsächlich vier Jungfische mit durchgängig rötlicher Körpergrundfarbe in dieser Nachzucht mit 18 Jungfischen, schlechtwüchsig, und die Ursache dafür wurde dann auch recht schnell erkennbar. Alle rötlichen Jungfische waren halbseitig blind. Die komplette Brut endete als Futter. Da bei mir immer nur ein fuelleborni-Männchen ausfärbt, habe ich jetzt erst einen Sohn in Farbe stehen. Vorgestern Abend erst habe ich Fotos gemacht und gestern diese Fotos mit Fotos des Vaters verglichen, als er im selben Alter war. Der Sohn sieht genauso aus wie hier. Meine Vermutung besagt, dass das rote Pigment auf den Flanken eine Mutation ist, die in meinem Stamm drin ist. Weiter hat die Untersuchung der Weibchenfotos ergeben, dass viele Weibchen die gleichen roten Pigmente auf den Flanken haben, nur in viel schwächerer Intensität, rotbräunlich erscheinend und nur bei bestimmten stimmungsabhängigen Färbungen sichtbar. Dass in meinem Stamm subdominant ein Erbgutfehler bei den Augen drin ist, ist mir seit der Rückkreuzung auf die Tochter klar, weshalb ich von den „Makanjila red top” seitdem nichts mehr für Abgabe-Zwecke aufgezogen habe. Es folgt eins der letzten Fotos des Vaters aus guten Tagen und direkt darunter ein Foto in ähnlicher Körperhaltung des Sohnes, der die tatsächliche Normalfärbung der Männchen des Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top” zeigt. Sorry an alle Leser meiner Seite. Jeder Mensch kann sich irren. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht und dass man den Irrtum auch eingesteht. Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top” Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top” Labeotropheus fuelleborni „Makanjila red top”, (m), Normalfärbung.

Update 9/2017: Am Rande einer Vereinsveranstaltung konnte ich Prof. M. Schutkowski, Abteilungsleiter der Abt. Enzymologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, meine Beobachtungen vorstellen. Er hatte nur eine Frage: „Waren alle rötlichen Jungfische auf der gleichen Körperseite blind?” Meine Antwort: „Ja, bei allen vier betroffenen Tieren schien auf der linken Seite die Pupille zu fehlen.” Er gab dann sinngemäß die folgende Erklärung: Da bei allen rötlichen Tieren die gleiche Körperseite betroffen war, dürfte es sich um einen Gendefekt bei einem Faltungs-Gen handeln. Diese Gene sind nur in der Embryonalentwicklung aktiv, wenn der Embryo sich faltet, so dass die beiden Körperseiten entstehen. Bei den roten Pigmenten auf der Körperflanke des Vaters dürfte es sich um einen Nebeneffekt dieses Gendefekts handeln. Er wies darauf hin, daß auf Grund der in der Aquaristik verwendeten Chemikalien die Mutationsrate bei Aquariumfischen erheblich höher sein dürfte als in der Natur.

(2016)

Literatur:

(1) Ad Konings „Atlas der MalawiseeCichliden”, erster Band, bede-Verlag 1996

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