Petrotilapia spec. „Chitimba”

Petrotilapia spec. „chitimba” lebt im natürlichen Lebensraum am Chitimba Reef in einer Tiefe von etwa 20 bis 25 m. Sein Lebensraum ist von verstreut im Sand herumliegenden flachen sedimentbedeckten Steinen gekennzeichnet. Damit ist Petrotilapia spec. „chitimba” die einzige Art der Gattung, die im sedimentbedeckten Felsbiotop vorkommt. Daher ist auch nicht verwunderlich, dass diese Art sich auch zu einem großen Teil von Plankton ernährt. Die Männchen verteidigen große Felsplatten, sind dabei gegenüber artfremden Tieren aber nicht sonderlich aggressiv.

Petrotilapia spec. „chitimba”Petrotilapia spec. „chitimba”, (m), eine flache Mulde zum Ablaichen anlegend.
Petrotilapia spec. „chitimba”, wPetrotilapia spec. „chitimba” (w), bei einem Miss-Wettbewerb „Wer ist die Schönste im ganzen See” würde diese Art mit Sicherheit ganz vorn mitmischen.

Aquarium-Beobachtungen:

Petrotilapia spec. „Chitimba” ist innerhalb seiner Gattung ein Sonderling, vergleichsweise brav und der Petrotilapia, der noch am besten mit eher carnivorer Ernährung zurecht kommt. Bei mir stellte Petrotilapia spec. „chitimba” gemeinsam mit Microchromis aurifrons „Luwino reef” mit jeweils sieben Tieren respektable Gruppen dar. In der Gruppe befand sich nur ein Männchen. In dieser Gruppe gab es bereits beim Vorbesitzer Ablaichvorgänge, jedoch keinen Zuchterfolg. Bei mir kam es häufig zum Ablaichen, im Schnitt alle 2 - 4 Wochen, mit Beteiligung verschiedener Weibchen. Trotzdem gelang mir mit diesen Tieren keine Nachzucht. Wenn ich nichts unternahm, war der Laich spätestens nach zwei Tagen verschwunden. Wenn ich das Männchen nach dem Ablaichen heraus fing, war der Laich ebenfalls nach zwei Tagen weg. Wenn ich das maulbrütende Weibchen isolierte, war der Laich spätestens nach zwei Tagen weg. Wenn ich versuchte, dem betreffenden Weibchen den Laich zu entnehmen, wurde dieser einfach verschluckt. Die mit diesen Tieren vergesellschafteten Aulonocara spec. „maleri”, Microchromis aurifrons „Luwino reef” und Iodotropheus sprengerae habe alle im gleichen Becken Nachwuchs gebracht. Fakt ist, am Wasser dürfte es nicht gelegen haben (Infertilität des Männchens???).
Da ich die meisten Bruten nicht aufziehe und die maulbrütenden Weibchen meist im Gesellschaftsbecken belasse, kommt es entsprechend oft vor, dass die freigesetzten Jungfische von den größeren Mitbewohnern gefressen werden. Die Petrotilapia spec. „chitimba” stellten sich dabei als überaus erfolgreiche Jäger heraus, da die gejagten Jungfische an den nach hinten gerichteten Bürstenzähnen regelrecht hängen blieben. Dabei kam es vor, dass einzelne Petrotilapia spec. „chitimba” zu erfolgreich waren und sich Darminfekte zuzogen, die entsprechend behandelt werden mussten. Die Art ist für einen Mbuna vergleichsweise ruhig aber sehr durchsetzungsfähig. Es dauerte etwa zwei Monate, bis sich das Männchen als Chef im Aquarium etabliert hatte, ohne jedoch die anderen Männchen zu sehr zu bedrängen. Wenn es zu Auseinandersetzungen mit dem Männchen von Aulonocara spec. „maleri” kam, dann kam es auf den Ort der Auseinandersezung an. In unmittelbarer Nähe des Unterstandes des Aulonocara spec. „maleri” vertrieb dieser den Petrotilapia. In den übrigen Beckenbereichen setzt sich hingegen der „Chitimba” durch. Seine Aggressivität besonders bei Laichansatz eines Weibchens richtete sich vorwiegend gegen die eigene Art. Da das Männchen bei Laichansatz eines Weibchens stark treibt, ist eine Vergesellschaftung von zwei oder drei Männchen des „Chitimba” in Becken von 1,5 bis 2 m Länge für mich nicht vorstellbar. Auch normale Haremshaltung von 1/3 oder 1/4 scheint mir in Becken dieser Größe auf Dauer nur schwer machbar zu sein. Aus meiner Sicht gibt es zwei Wege, diese Art zu halten. Entweder man hält ein Männchen mit mindestens 6 bis 8 Weibchen oder eine richtig große Gruppe mit sehr vielen Männchen in entsprechend voluminös dimensionierten Aquarien. Auf Grund der Reviergröße der Männchen müsste man dieser Art sehr lange Becken bieten, wenn man den Zustand erreichen möchte, dass nicht das gesamte Becken von nur einem Männchen kontrolliert wird. Sichtblenden durch entsprechende Dekoration des Aquariums sind zwingend erforderlich. In der Ernährung sind die Chitimba” nicht so heikel wie z. B. Labeotropheus trewavasae. Ein gewisser Anteil pflanzlicher Nahrung ist allerdings erforderlich. In der Gesamtheit der Haltungsanforderungen halte ich den „Chitimba” für die anspruchsvollste Art von allen auf dieser Webseite vorgestellten. Nach gut 1¼ Jahr habe ich die Gruppe an einen guten Freund abgegeben. Sollte es bei ihm zu einer erfolgreichen Nachzucht kommen, werde ich hier über die Haltungsbedingungen bei ihm berichten.

Petrotilapia spec. „chitimba”, wPetrotilapia spec. „chitimba” (m), die charakteristischen breiten senkrechten Streifen ohne waagerechte Zeichnungselemente werden nur von territorialen Tieren gezeigt, wobei die Intensität bei meinen Tieren nie so stark ausgeprägt ist wie das charakteristische Muster der Jungtiere, Weibchen und Männchen, wenn sie nicht territorial sind.
Petrotilapia spec. „chitimba”, maulbrütendPetrotilapia spec. „chitimba” (w), maulbrütend.

Geschlechtsunterschiede:

Bei dieser Art besitzen auch die Weibchen kleinere, oft mehrere Eiflecke, und können auch ein leichten Blauglanz aufweisen. Da auch die Weibchen immer mal territorial werden, kann es bei jüngeren Tieren durchaus vorkommen, dass man glaubt, dass sich da ein Männchen entwickelt. Von der Genitalpapillen-Methode mal abgesehen dürfte die Länge der Bauchflossen das sicherste Unterscheidungsmerkmal sein. Wenn die angelegten Bauchflossen deutlich bis hinter den Ansatz der Afterflosse reichen, hat man mit größter Wahrscheinlichkeit ein Männchen vor sich.

Petrotilapia spec. „chitimba”, ablaichendPetrotilapia spec. „chitimba”, ablaichend.
Petrotilapia spec. „chitimba”, wPetrotilapia spec. „chitimba”, auch die Weibchen können territorial werden. Auseinandersetzungen kommen eher selten vor. Wenn es aber zu Auseinandersetzungen kommt, dann meist richtig. Dann wird schon mal über mehrere Minuten buchstäblich verbissen gekämpft. Zu Flossenverletzungen kommt es dabei nur selten.
Petrotilapia spec. „chitimba”, wPetrotilapia spec. „chitimba” (w), Normalfärbung, bei diesem Bild ist schön die geringere Länge der Bauchflossen der Weibchen erkennbar.
Petrotilapia spec. „chitimba”, m
Petrotilapia spec. „chitimba” (m), normal eingefärbt, auf die Länge der Bauchflossen könnte auch mancher Copadichromis neidisch werden.

(2013)

Literatur:

(1) Ad Konings "Malawi Cichlids in their natural habitat", vierte Auflage, www.cichlidpress.com 2007
(2) Ad Konings "Malawicichliden in ihrem natürlichen Lebensraum", dritte Auflage, deutschsprachige Ausgabe, www.cichlidpress.com 2001
(3) Ad Konings "Atlas der MalawiseeCichliden", zweiter Band, bede-Verlag 1996

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