Microchromis aurifrons „Luwino Reef”
(Cynotilapia spec. „mbamba”)

Microchromis aurifrons „Luwino Reef” Microchromis aurifrons „Luwino Reef”, (m), Imponieren, Maulzerren und Klahrheit, wer das Revier behält.

Der Cynotilapia spec. „mbamba” hat einen gültigen Namen bekommen: Microchromis aurifrons Tawil, 2011 (siehe fishbase). Im natürlichen Lebensraum lebt Microchromis aurifrons in Felsbiotopen mit dünner Sedimentauflage im Unterschied zu Cynotilapia afra, welcher den sedimentfreien Felsbiotop bevorzugt. Dabei werden von Microchromis aurifrons Tiefen von über 10 m und Reviere in dunklen Höhlen bevorzugt. Nur territoriale Männchen fressen gelegentlich vom Aufwuchs. Ansonsten frisst die Art meist Plankton, wobei sich die Tiere überwiegend in Schulen sammeln. Dabei werden oft Schulen angetroffen, die aus Tieren von Microchromis aurifrons und Cynotilapia afra bestehen. Auch territoriale Männchen werden beim Planktonfressen beobachtet. Das lückenhafte Verbreitungsgebiet ist groß und erstreckt sich über die gesamte Nordwestküste des Sees. Es gibt Populationen von Mundola bis Mdoka, bei Chizumulu, Likoma, Lundu, Lupingu, Chitande, Mpanga, Katale, Hora Mhango u.s.w.. Deshalb verwundert es nicht, dass es viele Lokalformen von Microchromis aurifrons gibt. Sie unterscheiden sich u.a. in der Färbung der Rückenflosse. So gibt es Tiere, bei denen die Bänder ähnlich wie bei Cynotilapia afra in die Rückenflosse ragen. Es gibt auch Unterschiede in der Ausprägung der Blesse und der breiten Streifung. Auch das Vorhandensein von Tieren mit orangegelben, gelben, blauen und weislichblauen Rückenflossen innerhalb einer Population erinnert an Cynotilapia afra. Die meisten männlichen Microchromis aurifrons „Luwino Reef” haben schöne gelbe Rückenflossen. Allerdings sind nicht alle so gelb wie das prächtige Männchen, dessen Foto von Ad Konings hier präsentiert wird. Es gibt Tiere mit hohem Schwarzanteil genauso wie überdurchschnittlich blaue. Sicher wird züchterische Selektion stattfinden in Richtung des von Ad Konings fotografierten Tieres. Häufig werden die Tiere unter der Bezeichnung „Cynotilapia aurifrons Luwino Reef” gehandelt.

Aquarium-Beobachtungen:

Auch bei mir im Aquarium ist die Bevorzugung dunkler Beckenbereiche durch revierbesetzende Männchen zu beobachten. In der Mitte meines Beckens gibt es einen effektiv gerade mal 70 cm langen Leuchtbalken. Zwei Microchromis aurifrons „Luwino Reef” haben permanent ein Revier besetzt, einer rechts des Leuchtbalkens, einer links davon. Die Höhle in der Mitte unter dem Leuchtbalken wurde bisher nicht besetzt. In der Revierverteidigung ist eines der beiden Männchen konsequenter und verfolgt arteigene Tiere ca. 40 cm weit. Nachdem ich mit einer Anubias den Weg etwas verstellt habe, fallen die Vertreibungsaktionen kürzer aus. Auch im Farbwechselvermögen ähnelt der Microchromis aurifrons dem Cynotilapia afra. So genügen wenige Sekunden für den Wechsel von kontrastreich zu nahezu einfarbig und umgekehrt. Wer die Art mehr oder weniger permanent in schönen Farben sehen will, kommt um Gruppenhaltung mit mehreren Männchen nicht herum. In kleineren Becken wird dann sicher nur ein Männchen meist Farbe zeigen. Bei Haremshaltung hingegen wird das Männchen überwiegend ein bräunliches Etwas sein. Wenn genügend Platz da ist, kann man auch im Aquarium beobachten, wie sich die Weibchen und revierlosen Männchen meist im freien Wasser aufhalten und nach allem schnappen, was in der Strömung treibt. Von Zeit zu Zeit „befragen” die revierlosen Männchen die Revierbesitzer und zeigen dabei zeitweise, was farblich in ihnen steckt. Die Jungfische sind sensationell groß. Ich kenne keinen Malawibuntbarsch, der größere hat. Dafür ist die Zahl gering. Die ersten Bruten von zwei Weibchen ergaben einmal einen und bei dem anderen Weibchen sechs Jungfische. Die Art kann gut vergesellschaftet werden. Dabei scheiden nur die harten Jungs aus dem wellenumspülten Felsbiotop und die Leisetreter aus dem Sandbiotop aus. Obwohl diese Art kein „Hundszähniger” ( Cynotilapia ), sondern ein „Kleinzähniger” ist, würde ich trotzdem von der Vergesellschaftung mit Cynotilapia afra abraten, da die Ansprüche sehr ähnlich sind. Bei einer zeitweiligen Haltung 1/3 stellte sich heraus, dass auch die Weibchen territorial werden, wenn sie die Gelegenheit bekommen. Das kann besonders für die Weibchen anderer Arten sehr unangenehm werden, da diese mit erheblicher Energie aus dem Revier vertrieben werden. Das größte Weibchen behauptete sein Revier sogar erfolgreich gegen das arteigene Männchen!

Microchromis aurifrons „Luwino Reef” Microchromis aurifrons „Luwino Reef”, (w), territorial, ein Maylandia spec. „daktari”, (w), wurde einen Augenblick später energisch vertrieben.
Microchromis aurifrons „Luwino Reef” Microchromis aurifrons „Luwino Reef”, (w), maulbrütend, Streifen zeigend und Normalfärbung. Wie stark die arttypische Gelbfärbung der Rückenflosse gezeigt wird, hängt auch in hohem Maße von den Lichtverhältnissen ab.

Geschlechtsunterschiede:

Mitunter ist es nicht ganz einfach zu erkennen, ob man ein Weibchen oder Männchen vor sich hat. Normalerweise geben sich die Männchen bereits früh zu erkennen. Trotzdem kommt es vor, dass kleinere untergeordnete Männchen vergleichsweise kleine Eiflecke zeigen. Wenn diese dann noch von größeren Weibchen ab und zu in kleine Geplänkel verwickelt werden, bei denen das größere Weibchen als Sieger hervorgeht, kann es vorkommen, dass Unsicherheit bleibt.

Microchromis aurifrons „Luwino Reef” Microchromis aurifrons „Luwino Reef”, (m), Jungfisch, wenige Wochen alt, das Blitzlicht bringt bereits verräterisches Blau zum Vorschein. Das wird ein Mann. Auch bei den Jungfischen hängt es von den Lichtverhältnissen ab, wie stark die Gelbfärbung gezeigt wird. Microchromis aurifrons „Luwino Reef”
Microchromis aurifrons „Luwino Reef” Microchromis aurifrons „Luwino Reef”, (m), vollentwickelt, nicht territorial.
Microchromis aurifrons „Luwino Reef”Microchromis aurifrons „Luwino Reef”, (w).
Microchromis aurifrons „Luwino Reef”Microchromis aurifrons „Luwino Reef”, (m) territorial.

(2013)

Ablaichvorgang Januar 2014

Microchromis aurifrons „Luwino Reef” Microchromis aurifrons „Luwino Reef” Microchromis aurifrons „Luwino Reef”, ablaichend, im Revier des stärksten Männchens. Es wurde in den Tagen vor dem Ablaichen ein Höhlenkraternest bis zur Bodenscheibe des Aquariums ausgehoben.

Als es zu einem Ablaichvorgang im Januar 2014 kam, hatte ich das Glück, die letzten Laichabgaben beobachten zu können. Drei der vier im Becken befindlichen Männchen hatten Reviere besetzt. Beobachten konnte ich Laichabgaben des Weibchens mit den zwei größten Männchen. „Nr.3” suchte immer wieder die Auseinandersetzung mit „Nr.1” und „Nr.2”, versuchte, deren Reviere zu erobern, was ihm allerdings nicht gelang.

Microchromis aurifrons „Luwino Reef”Microchromis aurifrons „Luwino Reef”, (w), unmittelbar nach dem Ablaichen.
Microchromis aurifrons „Luwino Reef” Microchromis aurifrons „Luwino Reef”, (m), „Nr.2”, besonderes Kennzeichen ist die blauglänzende Oberlippe. Nachfolgendes Bild das Höhlenkraternest dieses Tieres. Laichplatz von Microchromis aurifrons „Luwino Reef”
Microchromis aurifrons „Luwino Reef” Microchromis aurifrons „Luwino Reef”, (m), ein auffallend dunkel gefärbtes Tier. Dieses Männchen steht eigentlich an vierter Stelle in der Rangordnung. Trotzdem gelang es ihm, zu balzen und eine kleine Mulde unter einem Stein anzulegen. Microchromis aurifrons „Luwino Reef” Laichmulde von Microchromis aurifrons „Luwino Reef”
Microchromis aurifrons „Luwino Reef”Microchromis aurifrons „Luwino Reef”, (w), maulbrütend, zurückgezogen in einer Farnstaude.

(1/2014)

Microchromis aurifrons „Luwino Reef”Microchromis aurifrons „Luwino Reef”, (m), die ehemalige „Nr.2”, inzwischen „Nr.1”.

(2013)

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